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Demographischer Wandel
Presseerklärung Statistisches
Landesamt 29.07.2005:
Entwicklung der Bevölkerung im Ländlichen
Raum erstmals mit weniger Dynamik
" Meister-Scheufelen: Bevölkerungs- und Beschäftigungsentwicklung
nach Jahrzehnten wieder geringer als im Land insgesamt. Die Zunahme
der Bevölkerungszahl im Ländlichen Raum
Baden-Württembergs
lag zwischen Anfang 2000 und Ende 2004 bei 1,9 Prozent. Landesweit
betrug das Plus immerhin 2,3 Prozent. Damit war die Dynamik im
Ländlichen Raum erstmals seit Jahrzehnten wieder niedriger
als im Land insgesamt. Sowohl in den 80er- als auch in den 90er-Jahren
ist die Zunahme der Bevölkerungszahl im Ländlichen Raum
stärker als im Landesdurchschnitt ausgefallen.
Das stärkste
Bevölkerungswachstum haben seit der Jahrhundertwende – wie
auch in den Jahrzehnten zuvor – die Randzonen um die Verdichtungsräume
erzielt (+2,9 Prozent), gefolgt von den Verdichtungsräumem
selbst (+2,4 Prozent). Innerhalb des Ländlichen Raumes erreichte
zumindest der Ländliche Raum im engeren Sinne – das
sind die sehr dünn besiedelten Gebiete – annähernd
den Landesdurchschnitt (+2,1 Prozent), während die Verdichtungsbereiche
im Ländlichen Raum deutlich abfallen (+1,4 Prozent).1) Eine
Auswertung aus dem Landesinformationssystem Baden-Württemberg
hat außerdem gezeigt, dass sich parallel zur Bevölkerungsentwicklung
auch die Beschäftigtenzahl im Ländlichen Raum in den
letzten Jahren weniger dynamisch entwickelt hat. Während hier
sowohl in den 80er- als auch in den 90er-Jahren die Entwicklung
dynamischer als im Land insgesamt verlaufen ist, ist sie seither
hinter die Landesentwicklung zurückgefallen.
Ein wichtiger
Grund für diesen neuen Trend, wonach die ländlich
geprägten Räume im Vergleich zu den Verdichtungsräumem
an Attraktivität verloren haben, dürfte die Entwicklung
der Baulandpreise sein: Allein zwischen den Jahren 2000 und 2003
hat hier der Quadratmeterpreis für baureifes Land um 17 Prozent
zugenommen – landesweit waren es nur 9 Prozent. Das Preisniveau
liegt damit zwar im Ländlichen Raum immer noch deutlich unter
dem vor allem der Verdichtungsräume – der Preisunterschied
und damit der Anreiz, der vor allem Familien zum Wegzug in die
ländlichen Gebiete bewegt hat, ist aber geringer geworden.
Ende des Jahres 2004 lebten im Ländlichen Raum knapp 3,7 Millionen
Einwohner. Das sind gut ein Drittel aller Baden-Württemberger,
die auf knapp 70 Prozent der Landesfläche leben. Entsprechend
gering ist die Bevölkerungsdichte: Mit 150 Einwohnern je Quadratkilometer
liegt sie nur halb so hoch wie im Land.
Das Arbeitsplatzangebot
ist naturgemäß ebenfalls unterdurchschnittlich: Auf
1 000 Einwohner kommen im Ländlichen Raum insgesamt 299 sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte, landesweit sind es immerhin 349. In den Verdichtungsbereichen
des Ländlichen Raumes liegt dieser Indikator mit einem Wert
von 388 allerdings über dem Landesdurchschnitt. Und auch der
Ländliche Raum im engeren Sinne übertrifft den entsprechenden
Wert für die Randzonen (271 gegenüber 263). Herausragend
ist die »Arbeitsplatzdichte« in den städtisch
geprägten Verdichtungsräumen des Landes mit 410 Beschäftigten
je 1 000 Einwohnern (jeweils Werte zum 30. Juni 2004)."
Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2003
Bevölkerung in Baden-Württemberg: Die demografische Zeitenwende
"Mit dem Jahr 2000 hat in Baden-Württemberg auch demografisch
eine historisch neue Zeit begonnen. Erstmals in der Geschichte des
Landes leben hier mehr ältere als jüngere Menschen. Das
Fortschreiten dieses demografischen Alterungsprozesses ist heute
bereits vorprogrammiert. Insbesondere nach 2020 rücken die
geburtenstarken Jahrgänge aus den 60er-Jahren in das Seniorenalter.
Aus heutiger Sicht wird der Bevölkerungsanteil der älteren
Generation von knapp 23 % auf gut 36 % um das Jahr 2050 ansteigen.
Dagegen dürfte der Anteil der nachwachsenden Generation von
heute etwa 22% auf rund 16% sinken. Damit wären in der Landesbevölkerung
in etwa vier Jahrzehnten die unter 20-Jährigen nur noch halb
so stark in unserer Gesellschaft vertreten wie die 60-Jährigen
und Älteren. Das Durchschnittsalter der Baden- Württemberger
liegt dann voraussichtlich bei nahezu 49 Jahren – acht Jahre
höher als heute.
Hauptursachen der demografischen Alterung sind die steigende Lebenserwartung
und besonders das seit Mitte der 70er-Jahre anhaltend niedrige
Geburtenniveau. Seitdem werden Jahr für Jahr etwa ein Drittel
weniger Kinder geboren, als notwendig wären, um eine Müttergeneration
jeweils durch eine Töchtergeneration vollständig zu
ersetzen. Das gilt auch für Baden-Württemberg. Selbst
Zuwanderungen von netto 50 000 Personen pro Jahr bis 2050 – wie
es fast dem Jahresdurchschnitt der vergangenen 50 Jahre entspricht –
können die künftig absehbaren Verschiebungen im Altersaufbau
der Landesbevölkerung nicht vermeiden."
Daraus lässt sich die grundsätzliche These ableiten,
dass in den kommenden Jahren der Anteil der Altersgruppe, die einen
Haushalt gründet, abnehmen wird und dadurch der Bedarf an zusätzlicher
Wohnfläche nicht mehr in dem Maß vorhanden sein wird,
wie in den vergangenen Jahren. Wenn also weiterhin Neubaugebiete
entstehen und auch besiedelt werden, muss dies zu Leerständen
an anderer Stelle führen.
Quelle: Statistisches
Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2003
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